*5ünfstern-performances

 

Im Rahmen von *5ünfstern - offene Künstlerateliers – präsentiert NEXTEX vier Performances an drei verschiedenen Orten. 5ünfstern entstand 2007 auf Initiative von Marianne Rinderknecht und Anita Zimmermann als exex-Projekt. Heuer kooperiert Nextex mit dem von Brigitte Kemmann initiierten *5ünfstern und zeigt sich für das Performance-Programm verantwortlich. 

 

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Freitag, 4. März 2011, 19 Uhr // Beat Lippert // Transitorisches Museum zu Pfyn, Städtli 7, 8505 Pfyn (TG), 052 770 14 65 www.zeitgarten.ch  

Samstag, 12. März, 17 Uhr // Suzana Richle, Pascal Lampert // Kunst(Zeug)Haus, Schönbodenstrasse 1, 8640 Rapperswil, 055 220 20 80 www.kunstzeughaus.ch

Donnerstag, 17. März, 19 Uhr  Five Star Bar im Nextex, Drinks und Musik 

Freitag, 25. März, 19.30 Uhr  Christoph Rütimann, Historischer Saal, Bahnhof St.Gallen www.fuenfstern.com

 

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Beat Lippert – eine performative Präsentation

Beat Lipperts Auftritt im Transitorischen Museum kreist um die Fragen rund um «forming history» - wie wird Geschichte gemacht? Wer macht Geschichte? und: Was wird von uns und unserer Kultur übrig bleiben? 

Lippert interessiert sich für Objekte und welchen Status diese haben können, wenn sie versetzt werden, an einem anderen Ort, in einem anderen Kontext wieder auftauchen. So hat er eine kannelierte korinthische Säule, ein architektonisches Element, in Genf nachgebaut, auf einem Auto nach Rom transportiert, umgeladen und mit einem Fahrrad nach Nettuno gezogen. Oder er filmte die Fassade des Musée d’Art et d’Histoire in Neuchatel, deren Details sichtbar werden, weil Lippert mit der Kamera einem Kletterer folgt, der die Fassade erklimmt. 

Beat Lipperts Arbeit ist an sich nicht performativ, auch wenn er immer wieder aktionistische Elemente verwendet. Lippert ist Bildhauer - der Bildhauerei im klassischen Sinne macht und gleichzeitig mit dem Status von Objekten spielt, wenn diese von einem Ort an den anderen verschoben werden. Die Aktionen werden gefilmt und fotografiert und Beat Lippert als Person und Künstler bleibt immer im Hintergrund und lässt die Objekte sprechen, die in neuen Kontexten oder in anderen Zusammehängen auftauchen oder in absurder Weise unsere Wahrnehmung durchkreuzen.

Der Künstler präsentiert im Transitorischen Museum zu Pfyn seine Arbeiten «Vehicule» und «Ride», die zu den Ausstellungen/Projekten Eternal Tour 08 in Rom und Eternal Tour 09 in Neuchatel entstanden sind (www.eternaltour.org). Die Videodokumentationen werden im grossen Saal als Dauerprojektionen gezeigt. Zudem berichtet Beat Lippert in einem Film über seine Arbeit – unter anderem mit einem Interview mit einer Ziege. Anschliessend steht er dem Publikum per Chat für Fragen zur Verfügung. Der Künstler nimmt also virtuell am Austausch mit dem Publikum Teil. Als Subjekt der Performance ist der Künstler abwesend, die Performance/Aktion wird aber im klassischen Sinne vom Künstler ausgelöst und durch die Anwesenden, das Publikum umgesetzt.

Alex Meszmer und Reto Müller

 

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Pascal Lampert – eine performative Aktion – «ZEUGzeuge»

Die Aktion ZEUGzeuge nimmt direkten Bezug auf den Ort an dem sie stattfinden wird, es ist dies der untere Raum des Kunstzeughauses in Rapperswil. Hier ist von der ehemaligen Struktur des Zeughauses noch am meisten zu spüren. Die Aktion präsentiert eine Ansammlung von Militärischem und Künstlerischem Zeugs. In der Aufzählung verschmelzen die zwei Welten zusehends miteinander.

Die akustische Ansammlung der Materialien wird begleitet von einer markierenden Geste des Akteurs, welche jedoch analog der gesprochenen Sachen sich bereits nach kurzer Zeit verflüchtigen wird. Wir werden quasi Zeugen einer sich zufällig ereignenden Ansammlung zweier verschiedener Materialwelten. In der Vermischung der Aufzählung lösen sich die einzelnen Sachen auf und bekommen einen anderen Sinnzusammenhang, Sie bilden quasi ein temporäres Zeughaus in dem die Sachen gelagert und Ihrem Kontext entledigt in der Vermischung eine andere Bedeutung bekommen.

Pascal Lampert hat sich den unteren Ausstellungsraum für seine Performance «ZEUGzeuge» ausgesucht, da dort die ehemalige Struktur des Zeughauses noch am besten zu spüren ist. Mit einem auf dem Rücken angeschnallten roten Wassertank betritt er den Raum. Mit einem eigens für die Performance konstruiertem Gerät beginnt er Striche auf den Betonboden zu malen. Wie ein Obstbestäuber mit einem kleinen, durch Wasser getränkten Schwämmchen bestückt malt er wie auf einer Jasstafel Striche als Fünferbündel auf den grauen Untergrund. Aus einem ebenfalls auf seinem Rücken angeschnallten Lautsprecher ertönt gesungenes und gesprochenes «Zeugs» – eine Ansammlung von militärischen und künstlerischen Dingen, Zeugs eben. Die Wasserstriche am Boden verflüchtigen sich mit der Zeit. Die aufgezählten und gesungenen Sachen verflüchtigen sich ebenso und das temporäre Zeughaus löst sich wieder auf.

Stefan Rohner

 

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Suzana Richle – eine Performance – «Ohne Titel (wurde verloren gegangen)»

In Zusammenarbeit mit Rachel Wüst und René Hofstetter, mit Adrian Schulthess, Alena Ellenberger, Alena Schnecko, Amira Loner, Gian-Luca Ott, Selina Helbling und vielen mehr

Suzana Richle arbeitet meist ortsspezifisch. Bei der Entwicklung für die Arbeit "Ohne Titel (wurde verloren gegangen)" hat sie sich von den aktuell ausgestellten Künstlern im Kunst(Zeug)Haus leiten lassen, und sich in der nahen Umgebung nach Menschen und Objekten für eine Zusammenarbeit umgeschaut. In der entstandenen Performance werden Bild- und Spiel-Räume erkundet und der Frage deren Grenzen oder Überschreitungen nachgegangen. Suzana Richle, welche Theater und Kunst studiert hat, interessiert sich u.a. für die Überschneidung beider Sparten. Auch ihre Performance «Ohne Titel (wurde verloren gegangen)» nimmt Bezug auf den Raum, insbesondere auf die aktuellen Ausstellungen.

In Zusammenarbeit mit Rachel Wüst und René Hofstetter konnte sie Mitglieder des Rapperswiler Kinder- und Jugendtheaters zur Mitarbeit gewinnen. Die DarstellerInnen mischen sich während der Performance unters Publikum. Nicht immer ist klar wer SpielerIn, wer ZuschauerIn ist. Der ganze obere Ausstellungsraum des Kunstzeughauses wird zur Theaterkulisse – das Publikum steht mitten auf der Bühne. Akteure mit Tierköpfen führen mit Dutzenden im Raum verteilten Objekten kleine Performances durch. Es entsteht ein «improvisiertes Spiel». Teilweise beginnen auch die Zuschauer zu interagieren. Mit einer surrealen Spiel- und Bilderwelt verbreiten die Tiermenschen im Kunstzeughaus eine magische und märchenhafte Stimmung und husch – ist der Spuck schon wieder vorbei. 

Stefan Rohner

 

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Christoph Rütimann – eine Videoperformance «C'è un temporale – es gibt ein Gewitter»

Christoph Rütimann hängt (sprichwörtlich) am Museum oder besitzt () die Kunsthalle Bern, macht Klangperformances, bringt Kakteen zum klingen, produziert Worttapeten, zeichnet mit Tusche auf Papier, malt monochrom hinter Glas, baut Skulpturen mit Waagen, wäscht Kunstbücher oder schläft in seinen Arbeiten. Und immer wieder taucht die Linie auf – als endlos geschlaufte Metallskulptur oder als Kamerafahrt entlang von Handläufen, Gartenschläuchen, ausgegrabenen Wasserröhren oder – wie derzeit im Kunstmuseum St.Gallen zu sehen – entlang den venezianischen Bootsrändern und Maueroberkanten. Vor drei Jahren wurde «Der grosse Schlaf», eine umfassende Werkschau zu Rütimanns Schaffen, in den Kunstmuseen St.Gallen, Thurgau und Nürnberg gezeigt. Ich zitiere aus dem Ausstellungskatalog: «Der 1955 in Zürich geborene und heute im thurgauischen Müllheim lebende Christoph Rütimann zählt zu den wichtigsten Schweizer Künstlern seiner Generation. 1993 vertrat er die Schweiz an der Biennale in Venedig und realisierte in der Kirche San Staë eine seiner spektakulärsten Arbeiten, eine schiefe Ebene, die zusammen mit einer Reihe von Malereien auf Glasplatten einen markanten Gegenpol zum barocken Innenraum setzte.»

In den reich verzierten Innenraum des historischen Saales im St.Galler Bahnhofsgebäude schleift Rütimann nun ein Gummiboot. Mit einer Pressluftmaschine wird Luft in die Seitenwände gepumpt. Schliesslich prall, wird ein Segel gesetzt. Die Projektionsleinwand ist nun Segel und Projektionsfläche zugleich. Es regnet. Man hört Regen, man sieht Regentropfen auf der Wasseroberfläche. C'è un temporale, es gibt ein Gewitter. Christoph Rütimann ist in Venedig von einem Gewitter überrascht worden, war ergriffen vom Erleben des ungeplanten Innehaltens und hat das Warten in der Totale filmisch festgehalten. Nun erscheinen beinahe schwarzweiss der Wasserkanal, eine Brücke und einige Lichtsterne auf dem Segel im Gummiboot. Unter der venezianischen Brücke wankt ein Boot, Menschen sitzen darin. Wartende. Wir warten alle. Dabei sind wir Gedankenverloren, stehen im Trockenen und geniessen den unerwarteten Unterbruch. 

Karin Bühler

 

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