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Eine Ausstellung mit Emanuel Geisser, Thomas Stüssi, Jiajia Zhang

 

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In der Ausstellung DER HORIZONT IST KLAR nähern sich Emanuel Geisser, Thomas Stüssi und Jiajia Zhang unterschiedlichen Methoden von Erklärungs- und Ordnungsmodelle an, die sich mit dem menschlichen Sein auf, in und um unsere Welt beschäftigen.
Es sind Arbeiten, die klar für sich stehen, aber sich im Raum- und in der Zeitwahrnehmung überlappen:
Markant und doch scheinbar im Raum schwebend, tragen graue Sockel, die nach den vier Elementen benannt sind, filigrane Skulpturen des Künstlers Thomas Stüssi. Stüssi hat die zwölf Sternzeichen des Tierkreises in einem Massstab von 1:9460 730 472 580 800 000 in Skulpturen aus Carbon und 3D gedrucktem Acrylglas übersetzt.
Für einmal schaut der Mensch nicht in den Sternenhimmel empor, sondern auf diesen hinunter – hinunter auf ein Geflecht von feinen schwarzen Stäbchen, mal eng ineinander verflochten wie zum Beispiel beim Sternzeichen des Widders. Mal soweit auseinander gezogen, dass sich deren Kompaktheit zu lösen beginnt, wie dies unter anderem beim Sternzeichen Skorpion der Fall ist. Die Sterne, die die Verbindungspunkte der jeweiligen Stäbchen darstellen, sind durch die entsprechenden Farben der Spektralklassen der Sterne hervorgehoben.

Die zwölf gitterartigen Skulpturen zeigen den Versuch, den unvorstellbaren Raum von unendlicher Distanz mit abertausenden von Lichtjahren in den Ausstellungsraum zu bringen. Die künstlerische Idee Stüssis, die Weiten des Sternenhimmels in unseren Raum zu ziehen, musste sich dafür aber einem Massstab unterordnen. Dieser bleibt für den Menschen weiterhin unvorstellbar, selbst wenn man die fragilen Skulpturen aus die Vogelperspektive betrachten kann. Stüssi entschied sich dabei für einen Berechnungsmassstab, in welchem ein Millimeter der astronomischen Längeneinheit von einem Lichtjahr entspricht. Dies ergibt den oben genannten Massstab ergibt. Welche Rechnerei hinter SUPER KONSTELLATION steht, veranschaulichen seine Berechnungen an der Aussenwand des kleineren Videoraumes.


Darin ist die Diaprojektion A FEW FUNDAMENTAL SET-UPS des Künstlers Emanuel Geisser zu sehen. Über eine Ecke projiziert, verbindet Geisser in diesem Raum Bildmaterial aus naturwissenschaftlichen Lehrbüchern mit eigenen Arrangements und Textfragmenten. Alternierend werfen die beiden Projektoren Bilder über eine Ecke an die Wand. Durch Überlagerung und Verzerrungen ergeben sich neue Kompositionen und Sinnzusammenhänge. Es ist eine Art Versuchsanordnung, die Wirklichkeit und Vorstellung miteinander zu Fragmenten verschiedener Weltmodelle verweben. Weltmodelle, die uns aus Büchern gelehrt werden; aber auch solche, die wir in unseren subjektiven Gedankenräumen selbst konstruieren. Durch visuelle Superpositionen stellt Geisser die Gesetzmässigkeiten der Natur in Frage. Er thematisiert dabei einmal mehr die Welt als Gefüge eines fragilen Konstruktes, das nie ganz durchschaubar und immer den Einflüssen der subjektiven Wahrnehmung ausgeliefert ist.
Im Hauptraum befinden sich weitere Arbeiten Geissers, die sich dieser Thematik widmen: vier, jeweils eine Buchseite grosse Collagen der Serie A MOON OR A BUTTON. Wie der Titel verlauten lässt, ist der Mond Aus- und Anziehungspunkt dieser Serie.
Er steht sinnbildlich für eine optische, wie auch imaginäre Täuschung: Im vermeintlichen Besitz einer enormen Leuchtkraft, vermag es der Mond faktisch nicht, selbst zu leuchten. Es ist doch das Sonnenlicht, welches er reflektiert.


Collagenhaft, mit persönlichem Fokus, hängen fünf Arbeiten der Künstlerin Jiajia Zhang im Raum.
Als Teil der Serie, die sie nach einem Zitat von Samuel Beckett benannte – „Or I wander, hands clasped behind my back, among the slabs, the flat, the leaning and the upright, culling the inscriptions“ – suggeriert Zhang eine erkundende Bewegung im Raum.
Es sind feine Vinylzeichnungen, die die Künstlerin auf transparentes Plexiglas klebte. Mit Hilfe von kleinen Magneten befestigte sie Postkarten, Fotografien und/oder Bilder daran und verankert diese auch mit leichten Metallketten in der Decke. So verweist sie auf Anordnungen und Bildmaterial aus unterschiedlichen Quellen, die sich auf Schreibtischen, Desktops oder Kühlschränken ansammeln, und die auf assoziative Weise neue Lesarten ermöglichen.
Die Vinylzeichnungen, selbst durch Überlagerungen diverser, eigens fotografierter oder gefundener Bilder entstanden, lassen sich als neue, für den Betrachtenden persönlich konnotierte Zeichen deuten.
Die Zeichen werden in einem Moment leserlich, um danach wieder zu verschwimmen. Es entstehen und überlagern sich Räume – Zwischenräume, Gedankenräume, private- aber auch Gemeinschaftsräume und nicht zu guter Letzt auch Räume und Arbeiten im Ausstellungsraum selbst. Dabei fungieren Zhangs Arbeiten als Fenster im Raum, in denen es dem Besucher, der Besucherin freisteht sich zu bewegen und sich neu zu orientieren.

Schwarze, leere Ordner auf dem Fenstersims fragen WHO IS THE AUTHOR OF YOUR TIME?. Sie verweisen auf ein von gewissen Menschen sorgfältig angelegtes Modell der Ordnung, das aber in der Arbeit von Zhang statistenhaft und unnütz bleibt. Der Titel der Arbeit kann durchaus stellvertretend für die Ausstellung gelesen werden. Steht doch am Anfang jeder einzelnen Arbeit im Ausstellungsraum eine (forschende) Frage, ein Interesse am tieferen Verständnis unserer Weltmodelle. So sprachen die KünstlerInnen während dem Ausstellungsaufbau auch über Systeme und Kommunikationsmöglichkeiten der Tierwelt, die in der gemeinsamen Arbeit im Schaufenster des Kulturbüros mündete.

Anna Vetsch

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Download Flyer. Der Horizont ist klar.

 

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