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                       Joëlle Allet, Peter Dew, Ray Hegelbach

 

 

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Im Schaufenster ♯ 1 Joëlle Allet


Projektleitung: Eduard Hartmann, Stefan Rohner und Katharina Stoll

 

Unterstützt von: Kulturförderung Kanton St.Gallen, Stadt St.Gallen, Kulturförderung Appenzell Ausserrhoden, Innerrhoder Kulturstiftung, Migros Kulturprozent, Kulturstiftung des Kanton Thurgau

If 6 Were 9

IF 6 WERE 9

Was wäre, wenn die fiktive Rolltreppe von Joëlle Allet an der Aussenhülle des Gebäudes echt und der Ausstellungsraum eine Abflughalle wäre und wir hier auf dem Gedankenflugplatz des Möglichkeitsinns stünden? Was wäre, wenn ein Haifisch – wie in der Fotocollage von Peter Dew – kurz mal aus dem Wasser käme, um an einer alten römischen Büste aus Kalkstein vorbei, durch die Luft zu schwimmen? Was wäre, wenn wir wie Ray Hegelbach keiner Statistik mehr glaubten, die wir nicht selber malten?

Die Arbeiten von Joëlle Allet, Peter Dew und Ray Hegelbach regen den Möglichkeitssinn an, machen den Zufall fassbar, die Fiktion greifbar, die Schwerkraft überwindbar und die Gesetzmässigkeiten der Statistik sichtbar. Alle drei bewegen sich mit ihren Arbeiten gerne auf dem Terrain des Konjunktivs und stellen mit ihrer Kunst die Realität lustvoll auf den Kopf.


Ray Hegelbach
Ray Hegelbach interessiert die Sprache der Statistik. Aber nicht die Aussagen und Interpretationen, sondern die konkrete Umsetzung Diagramme in Farbe auf Leinwand zu malen. Sichtbar sind keine eigenständigen Formen, die allein existieren könnten. Sichtbar sind leere Gebilde und austauschbare Gefässe. Trotzdem kommen wir nicht umhin sie mit Erinnerungen zu füllen und die Malerei nicht nur als ein Diagramm, ein Koordinatensystem anzunehmen. Mit seiner Arbeit führt uns Ray Hegelbach vor Augen, dass die Klassifizierung von Malerei nicht nur in der Bewertung des Inhalts und ihrer Machart zu sehen ist, sondern auch in der Art und Weise wie man sie in Position bringt. Und so erstaunt es nicht, dass der Titel der beiden Mittelformate mit den Hybriden Formen aus einer irrwitzigen Verschmelzung aus Säulen- und Liniendiagrammen den Titel A-C-B und C-B-A hat und auf ein weiteres Koordinatensystem verweist. Mit den ausgestellten Werken fügt der Thurgauer Künstler, der heute in Zürich lebt, seiner Serie von Grisaille Portraits von Diagramm-Balken, welche er unlängst im Kunstmuseum Luzern zeigte, eine neue, reduzierte Variation hinzu – radikal, klar, einfach, direkt.

Peter Dew
Und wenn man wie Ray Hegelbach glaubt der Glaube an die Statistik sei sonderbar und hätte einen Hacken, dann sieht er vielleicht so aus wie Peter Dews Limbo. Dieser hängt an einem dünnen Draht von der Decke, gehalten von zwei kleinen Magneten. Sonderbar ist aber nicht nur die Statistik, sonderbar ist auch die Schwerkraft. Denn die Schwerkraft ist einerseits eine sehr schwache Kraft, so kann ein kleines Kind sein Spielzeug gegen die Anziehungskraft der gesamten Erde anheben, andererseits bestimmt die Gravitation die Entwicklung des Universums und lässt die Planeten um die Sonne kreisen. In der Ausstellung machen die filigranen Hängeskulpturen von Peter Dew die Schwerkraft sichtbar. Zudem sind im ganzen Raum Objekte zu finden, die auf den ersten Blick nicht zu sehen sind und erst auf den zweiten Blick als signalhafte Echoformen feine Resonanzen auslösen. Die Kunstfundstücke hat Peter Dew mit der Exaktheit seiner Phantasie als neugeschaffene Produkte – unter anderen Vorzeichen und losgelöst von Raum und Zeit – in den Ausstellungsraum gesetzt hat. Unter anderem ein kleiner Planet in Form einer Überwachungskamera mit dem Titel After Hubbl oder zwei Metallnadeln an einem Magnet hinter der Bar mit dem Titel 20 to 3, or whatever ol' time you want.

Joëlle Allet
Joëlle Allet beherrscht das Spiel mit der Wahrnehmung von Dingen, deren Funktionalität und Gebrauch. Die in Sirnach wohnhafte Künstlerin zeigt in der Ausstellung drei bunte Kreisel aus Giesskeramik, fünf Flügelfragmente aus Lindenholz, einen Kaltnadeldruck sowie die Wandarbeit Upstairs, die auf der Aussenfassade des Gebäudes appliziert ist. Mit der Arbeit Roundabouts setzt die Künstlerin den Gesetzmässigkeiten der Gravitation die Schwerelosigkeit der Imagination entgegen. Denn am liebsten möchte man die vergrösserten Kreisel anfassen und drehen, einmal kräftig in Bewegung versetzen, damit sie durch den Raum rotieren. Und bei der Betrachtung der 5 Flügelelemente aus Lindenholz erhält man gleich selber auftrieb und hebt ab. Mit handwerklicher Präzision und einem feinen Gespür für Raum und Materialität schafft es Joëlle Allet, den Begriff der Skulptur neu zu denken – wunderbar schwerelos.

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