19. – 23. August 2020

Living (in) the Archives of Radical Feminism

Angela Marzullo a.k.a. Makita

Living (in) the Archives of Radical Feminism

 

Während fünf Tagen ist Angela Marzullo mit weiteren Frauen mit ihrem Projekt “B-side feminism” im AUTO ex Nextex und im Frauenpavillon zu Gast. Zu ihrer Arbeitsweise schreibt sie:

Wir arbeiten an einer kritischen Rückeroberung des institutionellen Kunstraums anhand von Werken von Künstlerinnen, indem wir einen wissenschaftlich-künstlerisch-performativ-ephemeren Körper schaffen, wo sich die Teilnehmerinnen mit ihrem Wesen und ihrem Know-how einbringen.

Wer sind wir? Wir sind Künstlerinnen, Akademikerinnen, Betreuerinnen, öffentliche Intellektuelle, Sexarbeiterinnen, Studentinnen, Arbeiterinnen aller Art, Frauenkollektive und Frauen auf ihrer persönlichen politischen Emanzipationsreise.

Unsere Aktivitäten sind als «wildes Campieren» zu verstehen: Wir nutzen Museen und Kunsträume um darin die Transmission und Entwicklung feministischer Empowerment-Praktiken auszuüben: Selbstbildung, Selbstkonstruktion, Selbstverteidigung, Selbstfinanzierung, Selbstproduktion, Selbstbenennung. Wir leben dort, wir kochen, wir waschen, wir arbeiten, wir tanzen, wir schlafen. Wir denken, wir reden miteinander, wir legen Gedankengänge für unseren Aktivismus und unsere künstlerische Praxis fest. Wir vereinnahmen diese Räume und schaffen ein erweitertes, lebendiges, partizipatives Archiv. Wir nehmen Werke und Praktiken auf, die durch ihre Institutionalisierung und Sakralisierung eingefroren waren. Damit fordern wir die Trennung von Kunst und Leben heraus und betreten ein Feld von Mehrdeutigkeit und Subversion.

Wir bitten unsere Patinnen – zeitgenössische Künstlerinnen – ihre Arbeit zu spenden (Bilder, Aufnahmen, Schriften usw.) um diese in unsere Installationen zu integrieren. Auf diese Weise haben unsere Räume eine multiple und generationsübergreifende Textur, ein feministisches, künstlerisches und militantes Echo, das individuelle Grenzen überschreitet und als kollektive Schwingung: THIS IS NOW! vibriert.

Die Transkription des Rivolta Feminile-Archivs ist abgeschlossen (fünfzig Stunden Audio-Aufzeichnungen wurden transkribiert). Diese Transkription dient uns nun als modulares Material, das wir durch verschiedene künstlerische und wissenschaftliche Praktiken evaluieren und weiterentwickeln. Zudem möchten wir gerne weitere geheime und vernachlässigte Archive identifizieren, um ein internationales Archivnetzwerk zu schaffen.

Unsere Herangehensweise kann als vergleichender Feminismus beschrieben werden: Wir untersuchen, inwiefern die Praxis der Bewusstseinsbildung in verschiedenen Feminismen (sowohl historisch als auch zeitgenössisch) verwendet wird. Um dies zu tun, werden wir Aktivistinnen verschiedener feministischer Strömungen einladen um diese befreiende Praxis zu diskutieren und auszutauschen. In unseren Augen ermöglicht diese Vorgehensweise den Zugang zu einem feministischen Bewusstsein, das ebenso theoretisch ist wie auch konkret.

“ Pussy Galore Typeface ” by WD + RU (Women’s Design + Research Unit), 1994
Übersetzung aus dem Englischen: ABW, 2020