23. August – 27. September

Nowhere near

Asi Föcker, Jiří Makovec, Nora Rekade und Liesl Raff

Aktuell

Fotografie: Jiří Makovec
Der Titel der Ausstellung – nowhere near – öffnet Bezugssysteme der vier Künstler*innen: Alle vier interessieren sich in unterschiedlichen Medien für die alltäglichen und flüchtigen Momente im Leben, für das Unfassbare, für das Ankommen und Weiterziehen, für das Verborgene und für das Streben nach dem, was nie sein wird. Asi Föcker, Jiří Makovec, Liesl Raff und Nora Rekade zeigen in der Ausstellung nicht nur neue Arbeiten, sie greifen auch auf Bestehendes zurück:

Im Ausstellungsraum steht eine Kollaboration der Künstlerinnen Liesl Raff und Nora Rekade. Körper und Gefühle sind oft Ausgangspunkt des künstlerischen Schaffens beider. ,Liege 2‘ wie ,Kissen‘ sind eigenständige Arbeiten und zugleich dienen sie als Display füreinander. Die beiden Künstlerinnen hatten bereits 2014 im Kunstraum NÖ in Wien zusammengearbeitet und eine nahezu gleiche Arbeit gezeigt. Einzig die Nummer im Titel der Arbeit von Raff klingt an, dass es sich um eine Weiterentwicklung, hin zu einer fragileren Erscheinung der Arbeit handelt. Auf der Liege liegt die Arbeit ,Kissen‘ von Nora Rekade. Die Zusammenfügung der bemalten Kissen und der Liege führt zu einer Verwirrung. Handelt es sich hierbei um eine Arbeit oder können beide Arbeiten für sich alleine stehen? Die Künstlerinnen untersuchen Methode und Strategie künstlerischer Prozesse. Sie hinterfragen in ihrer Zusammenarbeit Beziehungsgeflechte und Netzwerke.
Eine Art Display stellen auch die Aquarelle von Nora Rekade dar. Sie zeigen Porträts, die die Künstlerin aus ihrer Erinnerung heraus gemalt hat. In einem spontanen, emotionalen Arbeitsprozess vermischen sich konkrete Erinnerungsbilder, gespickt mit Alltagsmomenten und Sehnsüchten. Dieses Mischen der Erinnerungen führt Rekade auf Papier in eine Form, bei der sie sich bewusst für Aquarell entschied, um dieses Vermischen auch auf materieller Ebene zu thematisieren.

,Filament Nr. 6‘ von Asi Föcker steht ebenso im Raum und springt zugleich an der Wand hin und her. Mit Hilfe von Spiegeln werden die Glühdrähte gewöhnlicher Glühbirnen an die Wand reflektiert. Zwischen den Spiegeln und den Glühbirnen hängen Folien in der Luft. Die Luftzirkulation im Raum reicht aus, dass sich die Folien eigenständig bewegen. Diese Bewegung führt zu einer sich ständig bewegenden Lichtzeichnung / Reflexion an der Wand. Das betrachtende Auge wird Zeuge eines spielerisch geplanten Zufalls. Beinahe performativ bewegt sich die Lichtzeichnung an der Wand. Schafft sich Raum, weicht zurück, damit sie sich in Sekundenschnelle wieder ausdehnen kann. ,Filament Nr. 6‘ ist Teil einer Serie von Installationen und Performances der Künstlerin, in denen sie sich einmal mehr dem Übereinanderlagern von Raum und Zeit widmet.

Auch in der Arbeit ,Chances and Choices‘ von Jiří Makovec überlagern sich die beiden Parameter Raum und Zeit. Über 500 Bilder rattern in einem Takt von 4.5 Sekunden pro Fotografie am betrachtenden Auge vorüber. Es ist ein Sammelsurium an festgehaltenen Momenten der letzten 15 Jahre (2003-2018) des Künstlers, in welchem sich die Zeit aufzuheben vermag. Um die Arbeit zu sehen, müssen die Besucher*innen durch ein Fenster in einen abgetrennten Raum schauen. Die intime Einsicht, die uns der Künstler mit seiner Arbeit bietet, wird einem auch durch die räumliche Trennung bewusst. Man wird selbst zum Voyeur.
Zwei seiner Aufnahmen hat Jiří Makovec auf Fotopapier vergrössern lassen. ,Untitled (Seeing and Feeling)‘ und ,Untitled (Feeling and Seeing)‘ ist in der Gegenüberstellung eine in sich geschlossene Arbeit. Erstere zeigt einen unschuldig neugierigen Blick eines kriechenden Kleinkindes. Weniger erwartungsvoll als demütig steht einem in der anderen Fotografie ein Pferd gegenüber. Ein Tier, das uns Menschen seit Jahrtausenden unterstützt und zugleich ad absurdum dressiert wurde. Auf ihre je eigene Weise und erst recht in ihrer Gegenüberstellung verweisen beide Abzüge auf das Sehen an sich. Jiří Makovecs Arbeiten fungieren als Fenster und Spiegel seines künstlerischen Fassungsvermögen, aber auch für uns selbst.

Nowhere near vereint vier künstlerische Positionen die das Unfassbare umtreibt, immer mit dem Versuch, dies einzufangen, ohne dieses Etwas dingfest zu machen.

Anna Vetsch

Asi Föcker *1974 in Luzern, lebt und arbeitet St.Gallen und Berlin
Jiří Makovec *1977 in Prag, lebt und arbeitet in New York und St.Gallen
Nora Rekade *1977 in St.Gallen, lebt und arbeitet in Speicher AR
Liesl Raff *1979 in Stuttgart, lebt und arbeitet in Wien

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